Einführung

Die mündliche Hauptverhandlung im Strafverfahren ist der wichtigste Verfahrensabschnitt. Hier macht sich der Richter ein Bild vom Angeklagten und würdigt die eingebrachten Beweise.

Dies ist der erste Teil der Reihe „Hauptverhandlung als Angeklagter im Strafverfahren“. In den beiden weiteren Teilen gehe ich auf den Ablauf einer Hauptverhandlung ein und gebe Ihnen im dritten Teil noch einige wichtige Tipps für die Hauptverhandlung:

Hauptverhandlung als Angeklagter im Strafverfahren: Teil 2 – Ablauf der Verhandlung

Hauptverhandlung als Angeklagter im Strafverfahren: Teil 3 – Tipps

Haben Sie einen Strafbefehl erhalten oder ist zunächst eine Vorladung zur Vernehmung erfolgt, empfehle ich Ihnen diese beiden Blogbeiträge:
Vorladung zur Vernehmung erhalten? Verhaltensregeln
Strafbefehl erhalten – Was tun?

Als Angeklagter vor Gericht: Teil 1 - Die Vorbereitung - Strafverteidiger | Rechtsanwalt Steinhauer aus Trier

Bildquelle: congerdesign auf Pixabay

Stand: 19.10.2020

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Vorbereitung im Hinblick auf das Verfahren:

Mit einem guten Strafverteidiger an Ihrer Seite wurde bereits die wichtigste Vorarbeit geleistet. Ihr Strafverteidiger hat bereits Ihre Sicht der Dinge dargelegt und versucht Sie zu entlasten. Jedoch wird das Urteil in erster Linie vom Verlauf der Hauptverhandlung bestimmt.

Es ist daher unabdingbar sich gründlich auf die mündliche Hauptverhandlung vorzubereiten um nicht am entscheidenden Tag vor Nervosität und Unsicherheit einen unwiderruflichen Fehler zu machen.

Zudem gibt es viele Dinge, die man zur Vorbereitung tun kann, um einer hohen Strafe zu entgehen und den Richter milde zu stimmen.

  • Leisten Sie Wiedergutmachung

    Falls Sie sich einer eigenen Schuld bewusst sind, dann versuchen Sie Wiedergutmachung für den entstandenen Schaden zu leisten. Wenn ein finanzieller Schaden entstanden ist (z.B. bei Sachbeschädigung, Diebstahl, Betrug, etc.), sollten Sie versuchen diesen Schaden zu ersetzen. Im Zweifel auch in Monatsraten. Bei anderen Straftaten können Sie ein Schmerzensgeld anbieten oder sich zumindest beim Geschädigten entschuldigen.

    Der Richter muss bei der Strafzumessung Ihr Verhalten und insbesondere eine Wiedergutmachung berücksichtigen. Sie sollten eine Wiedergutmachung jedoch nur leisten, wenn Sie die Tat als solche nicht abstreiten.

  • An dem Problem arbeiten

    Sie sollten dem Gericht glaubhaft vermitteln, dass eine solche Straftat nicht mehr von Ihnen begangen wird. Oftmals liegen Sucht-bedingte Gründe in den Taten vor, an denen Sie bereits vor der Hauptverhandlung arbeiten sollten. Wenn Sie z.B. wegen einer Trunkenheitsfahrt angeklagt, bietet es sich an, an einer freiwilligen Entziehungskur teilzunehmen.
    Wurden Sie wegen eines Gewalt- oder Sexualdeliktes angeklagt, gibt es hierfür auch Therapiemaßnahmen.

  • An der eigenen Lebenssituation arbeiten

    Zeigen Sie dem Gericht, dass Sie Ihr Leben im Griff haben und das Delikt nur ein einmaliger Ausrutscher war. Insbesondere finanzielle Probleme oder ein falscher Freundeskreis schaffen eine Situation, welche die Begehung von Straftaten begünstigt. Wenn Sie auf die Schnelle keinen festen Arbeitsplatz finden, sollten Sie an einem Praktikum teilnehmen oder sich einen Ausbildungsplatz suchen. Halten Sie bewusst Abstand zu Menschen die Sie negativ beeinflussen. Dies sind Faktoren, die darüber entscheiden können, ob eine Strafe gemildert wird oder eventuell auch eine Bewährung infrage kommt.

  • Unterlagen vorbereiten / beibringen

    Gibt es ein Gutachten, dass Sie belastet? Für Richter bieten Gutachten wichtige Erkenntnisse, auf die diese ihr Urteil stützen. Daher sollten Sie darüber nachdenken ein Gegengutachten in Auftrag zu geben. Gerade bei Verkehrsstraftaten oder Betäubungsmitteln kann hier ein Gegenbeweis geschaffen werden. Beachten Sie, Gutachten sind sehr teuer und das Gericht ist in seiner Urteilsbildung nicht daran gebunden. Ob ein Gutachten in Ihrem Fall sinnvoll ist, sollten Sie mit Ihrem Strafverteidiger besprechen.

    Falls Sie eine psychische Erkrankung haben, sollten Sie sich diese von Ihrem Facharzt attestieren lassen. Bringen Sie dieses Attest in jedem Fall zur Hauptverhandlung mit.

  • Rücksprache mit dem Strafverteidiger

    Kurz vor dem Verfahren sollten Sie sich nochmals mit Ihrem Verteidiger absprechen. Ihr Verteidiger sollte wissen welche Erklärungen Sie abgeben möchten. Nur so kann eine gute Verteidigung gewährleistet werden.

    Mit meinen Mandanten bespreche ich mich in der Regel immer einige Tage vor der Verhandlung und nochmal kurz vor dem Termin.

Vorbereitung für das eigene Auftreten:

  • Atmosphäre im Gericht und einer Hauptverhandlung kennenlernen

    Wenn Sie noch nie eine Verhandlung an einem Gericht und insbesondere eine Strafverhandlung miterlebt haben, kann das sehr beunruhigend und furchteinflößend wirken. Am besten besuchen Sie eine andere Verhandlung einige Tage vor Ihrer eigenen. Die Strafverfahren werden, bis auf wenige Ausnahmen, öffentlich verhandelt und können von jedem besucht werden.
    Hier finden Sie Termine für Strafsachen am Landgericht Trier: LINK

  • Den Richter / die Kammer kennenlernen

    Wenn Sie die Ladung zum Termin erhalten, erfahren Sie auch welcher Richter oder welche Kammer Ihren Fall verhandelt. Sie können telefonisch beim entsprechenden Gericht anfragen, wann der Richter seinen nächsten Sitzungstag hat und eine Verhandlung bei diesem besuchen. So wissen Sie, wer der Richter ist und können zur Vorbereitung auch seine Art der Verhandlung kennenlernen.

  • Fragen nach einer Begleitperson

    Sie sollten einen Verwandten oder einen guten Freund mit zum Prozess bringen, wenn Sie sich dadurch besser fühlen und es Ihnen moralische Unterstützung bringt. Falls Sie sich jedoch in Ihrer Aussage gehemmt fühlen, dann kommen Sie besser alleine.

Fazit

Eine Vorbereitung auf das Strafverfahren ist wichtig und in jedem Fall geboten. Eine gute Vorbereitung kann in vielen Unterschied zwischen einer empfindlichen Strafe und einem „blauen Auge“ ausmachen.

Viele der oben genannten „Tipps“ sind nicht nur für eine mündliche Hauptverhandlung hilfreich. Auch muss nicht jeder Rat auf Ihren individuellen Fall passen, sondern gelten nur als allgemeine Hilfestellung.

Wichtig ist, dass Sie authentisch auftreten und nicht nur einige Maßnahmen treffen, um das Gericht zu täuschen. Die Richter haben viel Erfahrung mit Angeklagten. Sie erkennen schnell, ob man nur etwas vortäuscht, um eine milde Strafe zu erhalten oder tatsächlich versucht an dem eigentlichen Problem zu arbeiten.

Besprechen Sie sich in jedem Fall frühzeitig mit Ihrem Strafverteidiger.

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