Einführung

Sie haben einen Strafbefehl erhalten und wissen nicht was zu tun ist?

Ein schriftlicher Strafbefehl ist das Ergebnis eines „Strafbefehlsverfahrens“, in dem das Gericht ohne mündliche Verhandlung entscheidet. Dies wird in der Regel bei kleineren Delikten angewendet um die Gerichte und die Staatsanwaltschaft zu entlasten.

Die Schuld des Täters muss nicht bis zur Überzeugung des Gerichts feststehen. Im Strafbefehlsverfahren, reicht es aus, wenn die Schuld des Beschuldigten wahrscheinlich ist.

Das bedeutet, dass ein Gericht Sie nicht zwangsläufig für schuldig hält. Beim Strafbefehlsverfahren, wird ein fiktives Geständnis zugrunde gelegt (Geständnisfiktion). Es wird somit angenommen, der Beschuldigte habe die Tat zugegeben – auch wenn dies nicht geschehen ist – und dafür wird das Strafmaß herabgesetzt.

Die Situation kann sich vor Gericht aber komplett anders darstellen, wenn Sie ein Alibi vorweisen können oder Zeugen haben, die Sie entlasten. Auch ist es möglich die Strafe komplett zu verhindern oder zu verringern, wenn Sie den Richter milde stimmen können.

Strafbefehl erhalten Was tun Strafverteidiger | Rechtsanwalt Steinhauer aus Triernbsp

Bildquelle: congerdesign auf Pixabay

Stand: 06.10.2020

Bewertung des Beitrags:

()

Voraussetzungen eines Strafbefehls

Die Staatsanwaltschaft oder in seltenen Fällen auch Privatkläger beantragen einen Strafbefehl beim zuständigen Gericht. Der zuständige Einzelrichter am Amtsgericht prüft den beantragten Strafbefehl. Wenn das Gericht Bedenken hat, lehnt es den Strafbefehl ab oder beraumt einen Hauptverhandlungstermin an. Falls nicht, erlässt es den Strafbefehl.

Ein Strafbefehl kann nur wegen Vergehen erlassen werden. Vergehen
„sind rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder die mit Geldstrafe bedroht sind“ (§ 12 Abs. 2 StGB).

Das gilt für alle Delikte, die eine Mindestfreiheitsstrafe von unter einem Jahr haben (z.B. Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, etc.).

Das Strafmaß eines Strafbefehls darf als Geldstrafe 360 Tagessätze und als Freiheitsstrafe 1 Jahr (auf Bewährung) nicht überschreiten. Die Freiheitsstrafe auf Bewährung darf nur verhängt werden, wenn der Beschuldigte einen Rechtsanwalt hat.

Wann sollte ich mich dagegen wehren?

Sich gegen einen Strafbefehl zu wehren, ist in vielen Fällen sinnvoll.

  • Wenn Sie die Tat, die Ihnen vorgeworfen wird, nicht begangen haben!
  • Sie haben Zeugen oder ein Alibi für Ihre Entlastung.
  • Die Strafe erscheint zu hoch und /oder Sie sind nicht in der Lage Diese zu bezahlen.
  • Wenn bei einer Geldstrafe ein falsches Nettoeinkommen als Grundlage angesetzt wurde. Dies wird oftmals nur geschätzt und stimmt in vielen Fällen nicht.
  • Kindesunterhalt wurde nicht berücksichtigt.

Beachten Sie: Ein Strafbefehl ist eine ganz normale Verurteilung und wird als solche auch im Bundeszentralregister geführt. Ab einer Strafe von mehr als 90 Tagessätzen, wird die Verurteilung auch im polizeilichen Führungszeugnis eingetragen. Dies kann Auswirkungen auf Ihr berufliches Weiterkommen oder auf Einstellungen haben. Daher sollten Sie immer prüfen, ob Sie gegen einen Strafbefehl mit mehr als 90 Tagessätzen vorgehen möchten!

Welche Möglichkeiten gibt es?

Gegen einen Strafbefehl können Sie einen Einspruch einlegen. Dies muss schriftlich oder zu Protokoll bei der Geschäftsstelle, innerhalb von 14 Tagen, erfolgen. Dann wird durch das Gericht ein Hauptverhandlungstermin festgesetzt. Der Strafbefehl wird dann vollständig nichtig.

Wenn Sie den Einspruch zu spät einlegen, wird das Gericht diesen als verspätet zurückweisen und einen entsprechenden Beschluss erlassen. Gegen diesen Beschluss kann man sich mit der sofortigen Beschwerde an eine höhere Instanz wenden, um Diesen überprüfen zu lassen.

Sie können Ihren Einspruch nur gegen die Höhe der Strafe richten und entsprechende Belege (z.B. Unterhaltskosten oder Einkommensnachweise) beilegen. Dann kann es sein, dass nur die Tagessatzhöhe korrigiert wird, jedoch der Strafbefehl und die Verurteilung bestehen bleiben.

Schnell Handeln

Wenn Sie einen Strafbefehl im Briefkasten haben, sollten Sie keine Zeit verlieren. Ein Rechtsanwalt kann für Sie Akteneinsicht beantragen und prüfen, ob ein Einspruch gegen den Strafbefehl erfolgversprechend ist. Dieser kann dann auch form- und fristgerecht Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen.

Ein Rechtsanwalt kann auch mit der Staatsanwaltschaft über die Höhe der Strafe sprechen und ggf. eine Ratenzahlung vereinbaren.

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung / 5. Anzahl Bewertungen:

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Kontaktmöglichkeiten

Kontaktmöglichkeiten