Einführung

Nichts verbreitet sich im Internet schneller als intime Fotos und Videos. Inhalte werden innerhalb von Sekunden auf vielen Plattformen geteilt und vervielfältigt.

Nicht nur aber insbesondere junge Frauen sind das Ziel von Herstellung und Verbreitung intimer Bilder und Videos. Dies muss nicht immer gegen den Willen der entsprechenden Person geschehen. Die Verbreitung von Nacktfotos greift tief in den Kernbereich des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ein und die betroffenen Personen haben ein umfangreiches Recht auch zunächst mit Ihrer Einwilligung hergestellten Fotos und Videos löschen zu lassen.

Das betrifft:

    • selbst hergestellte Bilder und Videos
    • alle ungefragt hergestellten Videos und Bilder (z.B. Spycam-Aufnahmen),
    • „Geschenke“ oder Erinnerungen an einen ehemaligen Partner,
    • „Rachepornos“ oder „Sexting“
    • Bilder und Videos, für die man als Model bezahlt wurde.

Solche Bilder begleiten einen oft ein Leben lang und verändern den Blick anderer Menschen auf einen selbst. Erfahren Sie, was Sie tun können, wenn von Ihnen Intime- oder Nacktbilder gegen Ihren Willen im Internet zu finden sind.

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Bildquelle: Engin Akyurt auf Pixabay

Stand: 22.06.2021

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Löschen der Bilder und Videos aus dem Netz

Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild und darf selbst über seine Außendarstellung entscheiden.

Dies leitet sich aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht gem. Art. 1 Abs. 1, 2 Abs. 1 GG ab. Von diesem Grundsatz gibt es einige Ausnahmen, z.B. Aufnahmen auf öffentlichen Plätzen, etc. Wann und wie ein Bild veröffentlicht werden darf, richtet sich nach den Regeln der Datenschtutzgrundverordnung (DSGVO) und dem Kunsturhebergesetz (KUG).

Jedoch greifen diese in der Regel nicht bei der Verbreitung von Nacktbildern gegen den Willen der betreffenden Personen. Das heißt im Klartext: Niemand darf ohne Einwilligung der betreffenden Person Nacktbilder oder -Videos in das Internet stellen und somit verbreiten.

§ 22 KUG regelt entsprechend:
Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

Doch jeder kennt den Spruch: Was einmal im Internet ist, bleibt im Internet. Die Inhalte werden nach dem erstmaligen hochladen schnell auf anderen Plattformen geteilt und von Dritten lokal gespeichert, die diese wiederum jederzeit verbreiten können. Ein einmal hochgeladenes Bild oder ein Video endgültig löschen zu lassen, ist i.d.R. unmöglich.
Jedoch konzentriert sich  der „Markt“ an erotischen Inhalten ebenso wie im Onlinehandel auf wenige große Anbieter. Dort hat man die Möglichkeit Inhalte löschen zu lassen und auch vor erneuten Uploads zu schützen. D.h. die entsprechenden Bilder und Videos sind für „normale“ Nutzer nicht mehr oder nur mit einem sehr großen Aufwand auffindbar.

Hier kann Ihnen ein Rechtsanwalt mit Tätigkeitsschwerpunkt im Straf- und Medienrecht helfen. Dieser hatte sehr wahrscheinlich schon zuvor Kontakt zu den Plattformbetreibern und kann schneller Ihre Rechte durchsetzen.

Wie sollte man Vorgehen?

Oftmals wissen die betroffenen Personen genau, wer das Bild oder das Video angefertigt hat, wer im Besitz der entsprechenden Dateien war oder wer Sie mit der Veröffentlichung verletzen möchte.

Es bietet sich daher an, direkt die betreffende Person durch einen Rechtsanwalt anschreiben zu lassen und zur Löschung und Beseitigung der Bilder und Videos aufzufordern (Abmahnung). Es besteht ein umfangreicher Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch gegen die Personen die durch eine anwaltliche Abmahnung in der Regel schnell und kostengünstig erreicht werden kann. Die Kosten für den Anwalt trägt in diesen Fällen die Person, welche die Bilder veröffentlicht hat.

Je nach Schwere und Intensität des Eingriffs steht dem Opfer auch eine Geldentschädigung zu.

Wenn der Täter dem Lösch- und Beseitigungsersuchen nicht nachkommt, kann ein Verfügungsverfahren oder ein Klageverfahren angestrengt werden, um die Bilder löschen zu lassen.

Falls man die Person nicht kennt, kann man durch die Plattformbetreiber an die notwendigen Daten gelangen, um eine Identifizierung zu ermöglichen. Ein Rechtsanwalt kann im Namen seiner Mandanten die hinterlegten Bestands-, Verkehrs- und Nutzerdaten herausverlangen.

Strafrechtliche Einordnung?

Neben einer Abmahnung des Täters und der Geltendmachung von zivilrechtlichen Ansprüchen, kann man auch strafrechtlich gegen den Täter vorgehen. Zunächst kommt eine Strafanzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft in Betracht. Wenn diese der Anzeige nicht ausreichend nachgehen oder das Verfahren einstellen, kann man auch selbst mittels einer Privatklage gegen den Täter vorgehen.

Bei Erwachsenen:
Die heimliche Aufnahme von anderen Personen, die eine Verletzung den höchstpersönlichen Lebensbereich zu Folge hat, wird mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft (§ 201a StGB). Hierunter fällt, z.B. das heimliche Aufnehmen in der Privatwohnung, einem Airbnb oder in einem Hotelzimmer. Klassisch ist hier der Einsatz von s.g. „Spycams“, das sind kleine getarnte Kameras in Uhren, Zigarettenschachteln oder ähnlichem. Zur Erfüllung des Straftatbestandes muss noch nicht einmal etwas veröffentlicht werden, es reicht bereits die Anfertigung der Bilder oder der Videos.

Auch das Kunsturhebergesetz sanktioniert in § 33 KUG die Verbreitung von Bildnissen, welche ohne Einwilligung der betreffenden Person angefertigt wurden. Hier beträgt die Freiheitsstrafe jedoch maximal ein Jahr.

Bilder und Videos von Kindern und Jugendlichen:
Wenn Bilder und Videos von Kindern oder Jugendlichen verbreitet werden, fällt dies unter die Verbreitung von Kinderpornografischer Schriften (§ 184b StGB) oder Jugendpornografischer Schriften (§ 184 c StGB). Hier drohen langjährige Haftstrafen für den Täter.

Sonderfall: Kinder und Jugendliche als Täter

Unter Jugendlichen ist das Verbreiten intimer Aufnahmen des Expartners verbreitet. Ursache ist oft ein fehlendes Verständnis für die Tragweite der Tat und fehlendes Einfühlungsvermögen in die andere Person. Mit dem Handy wurden schnell einige Bilder, ggf. sogar mit Einwilligung der anderen Person, gemacht. Diese Bilder lassen sich über Messenger in Sekunden an die gesamte Schule teilen. Dies kann gerade bei den noch jungen Opfern zu Entwicklungs-, Vertrauens- und Bindungsstörungen führen.

Im Zivilrecht spielt das Alter des Verursachers eines Schadens keine Rolle. Auch Kinder und Jugendliche müssen Unterlassungsansprüche befolgen. Erst im Hinblick auf Schadensersatzansprüche wird eine Unterteilung nach dem Alter der Schädiger vorgenommen, wobei zwischen 7 und 18 Jahren die Einsichtsfähigkeit des Kindes als Maßstab dient.

Strafrechtlich liegt eine Schuldfähigkeit ab 14 Jahren vor. Zwischen 14 und 21 Jahren fällt der Täter in der Regel unter das Jugendstrafrecht.

Sonderfall: Kommerzielle Fotos / Videos von Modells

Wenn man Geld für die Herstellung von Fotos oder Videos erhalten hat, wird angenommen, dass diese auch veröffentlicht werden dürfen.

Der § 22 KUG regelt entsprechend:
Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt.

Jedoch ändern sich irgendwann die Lebensumstände und man erfährt Nachteile durch die veröffentlichten Bilder und Videos. Oftmals gibt es in den entsprechen Modell-Verträgen ein Kündigungsrecht. Wenn hierzu nichts im Vertrag geregelt oder eine Kündigung ausgeschlossen wurde, kann man einen Vertrag immer aus „wichtigem Grund“ kündigen. Der § 314 Abs. 1 BGB regelt hierzu:

Ein wichtiger Grund liegt vor, wenn dem kündigenden Teil unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der beiderseitigen Interessen die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses bis zur vereinbarten Beendigung oder bis zum Ablauf einer Kündigungsfrist nicht zugemutet werden kann.

Ein wichtiger Grund liegt z.B. vor, wenn die betroffene Person aufgrund der Bilder berufliche Nachteile erleidet oder deshalb keinen Job findet. Unter solchen Umständen muss die Agentur oder der Fotograf die Bilder löschen.

Fazit

Wenn Sie mitbekommen, dass Bilder von Ihnen ohne Ihre Einwilligung hergestellt oder verbreitet wurden, sollten Sie schnell tätig werden. Wenden Sie sich schnellstmöglich an einen Rechtsanwalt mit entsprechendem Tätigkeitsschwerpunkt. Durch die Einschaltung eines Rechtsanwaltes tragen Sie in der Regel keine Kosten, da diese vom Verursacher übernommen werden müssen.

Als Rechtsanwalt mit Tätigkeitsschwerpunkt im Medienrecht, Urheberrecht und Strafrecht vertrete ich deutschlandweit Mandanten. Eine Besprechung via Skype und Zoom ist möglich und ein persönliches Treffen nicht zwingend notwendig.

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